„Erzähl doch mal! Wege nach Kaufungen“ – Gespräche mit Zeitzeuginnen in der IGS Kaufungen


Warum verlassen Menschen ihre Heimat und fangen woanders ganz neu an? Welche Gründe und Wege Menschen aus verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten nach Kaufungen geführt haben, erfuhren 24 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der IGS Kaufungen im Rahmen eines Projekts am Mittwoch, 5. November hautnah. In kleinen Gruppen kamen sie mit fünf Frauen und einem Mann ins Gespräch, die bereit waren, ihre Lebensgeschichten zu erzählen und Fragen der Jugendlichen zu beantworten. Die Zeitzeuginnen stammten aus Breslau/Wroclaw, Iran, Usbekistan, von den Philippinen und aus der DDR, ein Zeitzeuge stammt aus Italien. Die Veranstaltung war als „Lebendige Bibliothek“ organisiert, in der man sich Menschen als „Lebende Bücher“ für ein Gespräch „ausleihen“ kann.

Nach jeweils 20 Minuten wechselten die Gesprächspartner. „Die Zeit ging viel zu schnell vorbei, ich hätte noch so viele Fragen gehabt“, sagte eine Schülerin nach dem Gespräch mit Frau Nabawi, einer Kurdin, die aus dem Iran geflohen war und sich unter anderem für Frauenrechte einsetzt. „Die Jugendlichen haben wirklich viele gute Fragen gestellt, die mich auch zum Nachdenken gebracht haben“, sagte Janice Angalan, die von den Philippinen stammt und jetzt in einer Kaufunger Kita arbeitet. „Es war echt interessant, etwas über das Leben in der DDR und die Proteste 1989 von einer Frau zu erfahren, die selbst dabei war“, sagte eine andere Schülerin. Beeindruckt waren die Jugendlichen auch von den Erzählungen einer 86-jährigen, die als Kind ihre Heimat in der Nähe von Breslau verlassen musste und mit ihrer Familie zunächst in der DDR, dann in Westdeutschland ein neues Leben anfing. Und auch über die Geschichte der Russlanddeutschen erfuhren sie beim Gespräch mit einer Zeitzeugin einiges Neues. Am Ende der 90-minütigen Veranstaltung waren sich alle einig, dass das ein ganz besonderes Erlebnis war.

 „Mit den Lebensgeschichten der Menschen wird Geschichte lebendig und nebenbei erfährt man eine Menge über politische und geografische Zusammenhänge“, sagt Hauke Homeier, Leiter des Regionalmuseums. „Wir würden das Projekt gern im nächsten Jahr noch einmal wiederholen und für alle Kaufungerinnen und Kaufunger öffnen. Hoffentlich machen unsere ‚Lebendigen Bücher‘ wieder mit, und vielleicht finden wir auch noch weitere Menschen, die bereit sind, ihre Geschichte zu teilen“, sagte Katharina Reinhold von der Gemeinde Kaufungen. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich gern bei ihr oder bei Hauke Homeier melden.

Die Veranstaltung wurde organisiert von der Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“ und vom Regionalmuseum Kaufungen im Rahmen des Projekts „Erzähl doch mal!“ des Anne Frank Zentrums.